In der DDR wurden seit Beginn der 1970er Jahre zu Lehrerausbildungs- und Forschungszwecken Unterrichtsstunden auf 1-Zoll-Videobändern aufgezeichnet. Über zweihundert dieser Aufzeichnungen aus den Beständen der Ost-Berliner Humboldt-Universität, der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR (APW) sowie der Pädagogischen Hochschulen Potsdam und Dresden blieben bis heute erhalten. Die Bänder gerieten nach der Friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung in Vergessenheit und die Abspieltechnik an den Hochschulen der DDR wurde entsorgt. Erschwerend kam hinzu, dass es in den 1970er Jahren noch keine Standards für Videotechnik gab und es somit fast ausgeschlossen schien, ein für die Abspielung geeignetes Gerät zu finden. Im Rahmen mehrerer von der DFG und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderter Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Wien in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) wurde dieser Fundus an Videobändern der - wissenschaftlichen - Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu wurde das Material durch Digitalisierung in internetkompatible Formate überführt. Die Filme sind formal und inhaltlich, durch Schlagworte und Abstracts, erschlossen. Der historischen Unterrichtsforschung steht nach der Erschließung dieses Materials eine neue Quellengattung zur Verfügung. Besonders für die vergleichende Ost-Westforschung sind diese Unterrichtsdokumentationen wertvoll, weil vergleichbare westdeutsche Unterrichtsaufzeichnungen vorhanden sind.
Die Aufzeichnung besteht aus vier Ausschnitten. Bei dem ersten Ausschnitt (Lehrfilm) handelt es sich um eine theoretische Einführung von Strukturmerkmalen der Aufschwungbewegungen und Umschwungbewegungen am Reck. Jede dieser Sportsequenzen wird kommentiert und anhand von Schemas wie auch Texten näher erläutert. Der zweite Ausschnitt datiert auf den September 1988 wurde im Rahmen schulpraktischer Übungen des 3. und 4. Studienjahres aufgenommen. Demnach wird eine 8. Mädchenklasse in ihrer vierten Unterrichtsstunde gezeigt. Nach einer kurzen Aufwärmphase werden gemeinsam Reifenübungen wie auch eine bereits eingeübte Choreographie durchgeführt. Der dritte Ausschnitt (Mai 1989) zeigt anhand von kurzen Sequenzen, wie der Schlagwurf mit Stemmschritt und auch der weite Sprungwurf im Handball ausgeführt wird. Ebenfalls wird auf Fehler bei der Ausführung der Techniken aufmerksam gemacht. Der vierte Ausschnitt (August 1989) geht auf die Methodik des Sportunterrichts ein. Dabei werden verschiedene Sequenzen von Sportstunden vorgeführt, wobei der Zuschauer die Methodik, Erziehung, Organisation oder die praktische Ausübung im Unterricht analysieren und bewerten soll.