Unter den alten Universalreligionen ist der Buddhismus zweifellos am wenigsten mit Hilfe von kriegerischer Gewalt verbreitet worden. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß er in manchen Fällen dazu beigetragen hat, die expansive kriegerische Dynamik von Völkern zu mildern (z. B. im Falle der Tibeter und Mongolen). Eine solche Wirkung ist von den Grundprinzipien der buddhistischen Ethik und Spiritualität her durchaus zu erwarten, und sie ist auch in historischen Zeugnissen dem Buddhismus des öfteren – auch in kritischer Intention, als Warnung vor dem pazifistischen Einfluß des Buddhismus – zugesprochen worden. Andererseits ist aber nicht zu übersehen, daß auch der Buddhismus keineswegs in seinem Einflußbereich Kriege durchgängig verhindert hat, und daß manche sogar in seinem Namen geführt oder doch mit buddhistischer Ideologie untermauert worden sind.
In: Peter Herrmann (Hrsg.), Glaubenskriege in Vergangenheit und Gegenwart (Veröffentlichungen der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften, Hamburg, Nr. 83), Göttingen 1996, 63–92.