DE - Das von Oktober 2018 bis November 2021 an der an der Universität Göttingen angesiedelte Forschungsprojekt „Die kosmopolitische Stadt. Riga als globaler Hafen und internationale Handelsmetropole (1861-1939)” untersuchte die Wirtschaftsgeschichte und die Handelsbeziehungen Rigas mit seinen wichtigsten Handelspartnern mit Hilfe digitaler Forschungsmethoden. Zwischen 1901 und 1905 wurde der Rigaer Hafen der umsatzstärkste im Russländischen Kaiserreich und behielt diese Stellung bis zum 1. Weltkrieg bei.
Die im Projekt angewandte Methode der historischen GIS-Forschung (HGIS) ermöglicht die Darstellung des Rigaer Handelsnetzwerks mit Hilfe digitaler Karten. Durch den diachronen Vergleich mehrerer Zeitabschnitte (1883, 1893, 1903, 1913, 1933) wurde die Erweiterung und Verdichtung des Handelsnetzwerks untersucht und im Rahmen der Visualisierung auf Karten gezeigt, die das Forschungsteam mit dem Programm ArcGIS erstellte. Die im Vergleich dazu angefertigte Arc-GIS Karte für 1933 zeigt das Schrumpfen des Rigaschen Handelsnetzwerkes nach dem 1. Weltkrieg, v. a. aufgrund des Wegbrechens des russischen, ukrainischen und belorussischen Hinterlands als Handelspartner. Zwar konnte Riga zwischen 1920 und 1939 seinen Handel wiederbeleben und sich als wichtigster Hafen im neugegründeten Nationalstaat Lettland etablieren, doch das Handelsvolumen und die Handelskontakte schrumpften erheblich.
Von den GIS-Karten ausgehend analysierte das Projekt die Entwicklung des Rigaer Handels und den Aufstieg Rigas zu einer der bedeutendsten Handelsmetropolen im Russländischen Kaiserreich. Die mit ArcGIS erstellten Karten stellen das Handelsnetzwerk auf globaler Ebene dar, wobei andere Kartenausschnitte zum Beispiel des Ostseeraums oder Europas, die mit Hilfe der Koordinaten ebenfalls erstellt werden können, auch Aufschluss über das Handelsnetzwerk Rigas zu seinen wichtigsten Handelspartnern (Großbritannien und dem Deutschen Kaiserreich/ der Weimarer Republik) geben.