Der Forschungsverbund MOTRA (Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung) ist ein bundesweites Spitzenforschungscluster, in dem sich neun Institutionen aus ganz Deutschland in einem interdisziplinären und multimethodalen Ansatz der Analyse von Radikalisierungsprozessen und der Verbreitung politischer Extremismen verschiedener Formen in Deutschland widmen. Ziel des Verbundes ist es, Dynamiken und Einflussfaktoren zu erfassen, die zu politischer Radikalisierung auf Einstellungs-, Verhaltens- und Diskursebene beitragen, und diese Erkenntnisse für Wissenschaft, Politik und Praxis nutzbar zu machen. Seit März 2025 befindet sich MOTRA in einer zweiten Förderphase.
Das Institut für Kriminologie an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg (UHH) ist innerhalb des MOTRA-Verbundes in dieser zweiten Förderphase für die Durchführung von zwei regelmäßig wiederkehrenden Bevölkerungsbefragungen verantwortlich. Diese bilden die empirische Grundlage für die kontinuierliche Beobachtung politischer Einstellungen und deren Entwicklungen in Deutschland. Dazu gehört die Studie „Menschen in Deutschland“ (MiD; vgl. für die aktuelle fünfte Welle Fischer et al. 2025; für aktuelle Ergebnisse vgl. Brettfeld et al. 2026) sowie die für diesen Forschungsbericht im Mittelpunkt stehende Studie „Menschen in Deutschland: International“ (MiDInt), die durch das Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) in Kooperation mit der UHH gestaltet wird.
MiDInt legt einen besonderen thematischen Schwerpunkt auf internationale Ereignisse, politische Entscheidungen und Krisensituationen sowie deren mögliche Rückwirkungen auf Einstellungen, Wahrnehmungen und Radikalisierungsprozesse in Deutschland. Auch die Thematisierung politischer Reaktionen innerhalb Deutschlands bzw. der deutschen Außenpolitik auf internationale Geschehnisse im Hinblick auf deren Einschätzung seitens der Bevölkerung ist Bestandteil der MiDInt-Befragungen (vgl. Kleinschnittger et al. 2023).
In dem hier vorliegenden Forschungsbericht werden das Studiendesign, die Stichprobe und das Erhebungsinstrument der 19. Welle der Studie "Menschen in Deutschland International" beschrieben. Seit Beginn der MiDInt-Studie konnten, einschließlich dieser hier vorliegenden Erhebung, bislang 19 Erhebungswellen im Abstand von jeweils ein bis drei Monaten realisiert werden. Die erste Welle fand im November 2022 statt. Im Jahr 2023 wurden sechs Befragungen (Februar, April/Mai, Juli/August, Oktober, November und Dezember) durchgeführt. Im Jahr 2024 folgten weitere sechs Erhebungen in den Monaten März, April, Juni, August, Oktober und Dezember. Für das Jahr 2025 liegen Datensätze aus den Monaten Januar, April, Juli sowie Daten aus zwei Erhebungswellen im Dezember vor. Der vorliegende Methodenbericht befasst sich mit der aktuellen, ersten Erhebung aus dem Jahr 2026, die im März durchgeführt wurde. Diese stellt die 19. Welle der Studie MiDInt dar.
Für die Erhebung der 19. Welle wurde eine Netto-Stichprobengröße von N = 2 500 Personen angestrebt. Unter Berücksichtigung möglicher Ausfälle und nicht verwertbarer Fälle wurde auf Basis von Erfahrungswerten aus früheren Befragungen ein Brutto-Stichprobenansatz von N = 2 750 festgelegt. Die Stichprobenziehung erfolgte nach einer a-priori-Schichtung der Zielpersonen im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Bildung und Wohnregion (Ost/West). Deren Grundlage bildeten Referenzwerte des Statistischen Bundesamtes für die in Deutschland lebende Bevölkerung im Alter von 18 bis 69 Jahren.
Die Feldphase begann am 24. März 2026 und wurde eine Woche später, am 31. März 2026, beendet, nachdem alle Quotierungsvorgaben und Zielzahlen erfüllt waren. Zu diesem Zeitpunkt hatten n = 2 750 Personen die Befragung abgeschlossen. Im Anschluss erfolgte ein mehrstufiges Datencleaning. Diese Prüfungen führten zu einer Bereinigung des Datensatzes um n = 258 Fälle. Der finale Datensatz der Analysestichprobe umfasst demnach N = 2 492 verwertbare Fälle.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Stichprobe in den zentralen demografischen Merkmalen Alter, Geschlecht und Wohnregion sowie mit einer leichten Verzerrung in Richtung hoher Bildung auch das Bildungsniveau weitgehend den Verhältnissen der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland entspricht. Abweichungen bestehen demgegenüber vor allem bei Befragten mit Migrationshintergrund. Diese sind in solchen Onlinebefragungen unter Nutzung von Online-Access-Panels auch ansonsten typischerweise unterrepräsentiert.
Bezogen auf die erwachsene deutschsprachige Wohnbevölkerung mit deutscher Staatsangehörigkeit bildet die MiDInt-Stichprobe jedoch die Grundgesamtheit sehr zuverlässig ab und kann als annähernd repräsentativ bewertet werden. Für die längsschnittliche Betrachtung von Trends ist zudem bedeutsam, dass die beobachteten Abweichungsmuster über alle bisherigen Wellen hinweg recht konstant sind, sodass keine systematischen Verzerrungen im Zeitverlauf zu erwarten sind.